Bei uns darf man Fehler machen! Was ist damit überhaupt gemeint?

Eigentlich kennen wir sie alle, das Scheitern der großen Branchen-Innovatoren, wie z.B. Steve Jobs, der am Anfang zwei Unternehmen in den Sand setze, also scheiterte, bevor er mit Apple durchstartete. Einige Unternehmen haben sich dies grundsätzlich auf die Fahne geschrieben und ermutigen nun mit der Botschaft “Bei uns darf man Fehler machen.” Aber, was steckt eigentlich dahinter?

 

Fehler in komplizierten Prozessstrukturen

Heute müssen wir zwischen Fehlern und Misslingen unterscheiden. Wenn Prozesse einfach oder kompliziert abgebildet werden können, haben wir heute meist noch ein festgelegtes “Soll”, was erreicht werden soll. In diesen Prozessstrukturen ist ein Fehler eine Differenz zwischen “Soll” und “Ist”.

 

Da man einfache und komplizierte Prozesse sehr gut abbilden und strukturieren kann, ist grundsätzlich in diesen Umfeldern weiterhin ein Fehler zu vermeiden. Wenn er allerdings dennoch passiert und mal ganz ehrlich - Fehler passieren nun mal, wenn Menschen beteiligt sind - dann sollten wir nicht gleich anklagen, sondern handelnd reagieren. Aber diese Situationen dürfen in den hier angesprochenen einfachen und komplizierten Prozessen nicht zu allgemeinen Aussage führen: “Fehler sind erlaubt”.

 

Scheitern bei einem komplexen Experiment

In den heute zunehmenden komplexen Umfeldern können wir fast nicht mehr von Fehlern sprechen, da wir das “Soll” noch gar nicht kennen. Ein Soll kann in komplexen Umfeldern nicht definiert werden. In komplexen Umfeldern können wir uns mit Experimenten bewegen und wenn diese nicht zum Erfolg führen, dann ist dies ein Scheitern - Das Experiment ist nicht gelungen!

 

FAZIT: Fehlerkultur zum Kernelement der neuen Arbeitskultur

In der ganzen Diskussion um Fehler, Fehlerfreundlichkeit und Kreativität gehen wir von einem “alten” Paradigma der Industrialisierung (Taylorisches System) aus. Wir sind aber heute vielfach im Paradigma der Digitalisierung und damit Vernetzung angekommen. Hier gibt es kein “Soll”, welches standardisiert vorgegeben ist. Auch wenn alle heute noch danach “schreien”. Das vermeintliche “Soll” ist eher ein offener Raum in die Zukunft, der viele Wege zulässt. Wir haben heute das Prinzip von Versuch und Irrtum, welches uns zu einer Lern-Kultur führen sollte.

 

TIPP: Geben Sie klare Orientierung und unterschieden Sie vorhandene Umfelder

Arbeiten Sie im Unternehmen sauberer mit der Differenzierung, ob Sie sich in einem komplizierten Prozessumfeld befinden oder einem komplexen Gestaltungsumfeld. Diese Unterscheidung ist für eine klare Orientierung in der gemeinsamen Kommunikation sehr bedeutsam. Von Fehlern sprechen wir im komplizierten Prozessumfeld. Vom Scheitern sprechen wir in komplexen Gestaltungsumfeldern. Dabei ist dies wirklich positiv zu sehen: Erfolg bestätigt uns, aber Misserfolg bringt uns weiter. Weil nur unser gescheiterter Versuch eine Lektion für uns enthält. Wenn man von der Lektion auch wirklich lernen will.

 

Ein neues Bewusstsein

Schade ist allerdings: Dass dies Viele nicht wollen! Da vielfach das Image als Dauererfolgreicher aufrechterhalten werden soll. Weil sich Viele nicht vorstellen können, wie sie damit umgehen sollen und eher ein gebrochenes Ego vor sich sehen. Weil wir heute noch zu wenig Vertrauen in uns und in unsere sozialen Umfelder haben. Scheitern und vor allem der Umgang damit werden wir lernen müssen.

 

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